Kontrolle und Begutachtung von Bäumen

Der erste Schritt der Baumvisite

Bei einer ersten Kontrolle der Bäume nehmen wir Daten wie Art, Standort und Baumgröße genau auf. Bei einer visuellen Baumkontrolle und Anwendung einfacher Handgeräte wie Schonhammer und Sondierstab werden die Bäume auf Pflegemängel und Erkrankungen untersucht. Falls sich keine Mängel bei der Baumkontrolle herausstellen, kann die Visite in dieser Phase abgeschlossen werden.

Umfangreiche Untersuchung der Baumstatik

Falls dem Gutachter bedenkliche Merkmale am Baum auffallen, wird durch geeignete Messverfahren die Belastungsgrenze der geschädigten Holzstruktur eingeschätzt. Unsere Gutachter wenden bei den Visiten stets eine baumschonende Untersuchung an. Die Schalltomographie und der Zugversuch werden ohne Verletzungen am Baum durchgeführt. Der Einsatz der Bohrwiderstandsmessung wird auf das notwendige Maß zur Absicherung der Gutachten beschränkt. In Zusammenarbeit mit dem Thünen-Institut, der LUFA und dem Pflanzenschutzdienst Bonn stellen wir durch Holzproben Diagnosen zu Schadstoffen und Schaderregern.

Wir empfehlen Ihnen notwendige Pflegemaßnahmen

Als Abschluss der Baumvisite weisen Sie die Gutachter auf notwendige Maßnahmen zur Baumpflege hin. Mit der Auswertung der Daten erhalten Sie in einem rechtssicheren Nachweis und standardisierte Empfehlungen für Maßnahmen nach der ZTV-Baumpflege
(FLL 2017).

Verfahren der Schalltomographie

Durch die Schalltomographie können durch induzierte Impulse die Schalllaufzeiten zwischen den Sensoren aufgezeichnet werden. Diese können auf Höhlungen oder Defekte im Baum hinweisen. Die Laufzeit der Messung wird mit den Richtwerten der Baumart und Referenzwerten von intakten Stammabschnitten verglichen und abgeschätzt. Die Schalltomographie kann mit mindestens 8 Sensoren ein zweidimensionales Schalltomogram erzeugen. Auf Grundlage dieser Matrix erstellt der Gutachter mit Hilfe einer Software Widerstandsabschätzungen, womit das Bruchversagen des Holzes kalkuliert werden kann. Als Referenz zur Tomographie wird eine elektronische Messung des Bohrwiderstandes durchgeführt.

Inklinomethode bzw. Zugversuch zur Standsicherheit

Das geeignete Verfahren zur Feststellung der Standsicherheit ist die Inklinomethode nach Sinn und Wessolly/Erb. Diese verletzungsfreie Methode wird bei Bäumen mit Wurzelschäden bzw. Befall mit wurzelschädigenden Pilzen wie z.B. Riesenporling und Hallimasch angewendet. Beim Zugversuch wird ein Seil mit einem Greifzug an den Baum eingezogen. Ein Dynamometer (Kraftmesser) misst die eingebrachte Kraft, mit dem der Baum angezogen wird. Die Neigung des Baumes wird parallel mit einer elektronischen Wasserwaage im tausendstel Gradbereich mehrfach und mit höchster Genauigkeit gemessen. Eine Auswertungssoftware zeichnet alle Messwerte auf und der Gutachter kann die maximalen Kippkräfte mit der abgeschätzten maximalen Windlast vergleichen.

Elastomethode/ Dialometermethode

Mit Hilfe von diesem Verfahren kann eine akute Bruchgefahr kritischer Stellen des Stammes, z.B. an Rissen oder Veredelungsstellen, rechtzeitig und sicher erkannt werden. Auch hier werden typisch durchschnittliche Elastizitätsgrenzen der jeweiligen Baumart verglichen. Wie bei der Iklinomethode wird ein Seil an den Lastschwerpunkt des Stammes angezogen. Als Ersatzlast für den Wind wird auch hier eine Kraft eingebracht. Das zu vergleichende Messpaar in der Auswertungssoftware stellen die Messungen des Dynamometers (Kraftmesser) und die elektronischen Stauchungs- und Dehnungsmessungen dar. Der Gutachter ermittelt daraus die maximalen Bruchkräfte bzw. die Elastizität des Stammes im Vergleich zur abgeschätzten maximalen Windlast.

Bohrwiderstandsmessungen im Holz

Durch die punktuellen Messungen des Bohrwiderstandes kann die relative Festigkeit des Holzes festgestellt werden. Diese Messung erfolgt ergänzend zur visuellen Einschätzung des Gutachters bzw. als Ergänzung anderer Messtechnik. Mit Hilfe einer Nadel (Durchmesser von ca. 1,3 mm und Kopfdurchmesser von ca. 3mm), die mit bis zu 5000 Umdrehungen in das Holz eindringt, wird die Torsionskraft und Vorschubkraft der Motoren elektronisch gemessen und aufgezeichnet. Die wechselnden Materialeigenschaften des Holzes, Morschungen und Höhlungen werden durch dieses Verfahren widergegeben.

Wir ermitteln den Wert Ihrer Bäume

Schutz- und Gestaltungsgrün

Ein Baum, der zu Ihrem Grundstück zählt, kann einen Wert als Grundstücksbestandteil darstellen. Sollte so ein Baum zerstört werden, so können Sie als Geschädigter die Wiederherstellung als Naturalrestitution nach § 249 Abs. 1 BGB verlangen.


"§ 249 Art und Umfang des Schadensersatzes
(1) Wer zum Schadensersatz verpflichtet ist, hat den Zustand herzustellen, der bestehen würde, wenn der zum Ersatz verpflichtende Umstand nicht eingetreten wäre".
(2) Ist wegen Verletzung einer Person oder wegen Beschädigung einer Sache Schadensersatz zu leisten, so kann der Gläubiger statt der Herstellung den dazu erforderlichen Geldbetrag verlangen....".
Wir ermitteln im Fall der öffentlichen Inanspruchnahme von Grundstücken und Beschädigung von Bäumen den Gehölzwert von Schutz und Gestaltungsgrün nach der vom BGH anerkannten und mehrfach bestätigten Methode Koch.

Fälle von Wertminderungen an Bäumen

Bei Baustellen muss besonders auf die Beachtung der Richtlinien zum Baumschutz geachtet werden. Bei allen Arbeiten am Baum und im Baumumfeld ist die Einhaltung der geltenden Regeln der Technik nach DIN 18920, der RAS LP4 und der ZTV-Baumpflege zu beachten. Wichtig bei der Einhaltung des Baumschutzes ist der Raum unter der Baumkrone, der einen mind. 2 Meter hohen Schutzzaun und möglichst 1,5m über die Kronenbreite hinaus haben sollte. In diesem Raum dürfen keine Baumteile beschädigt und Baumwurzeln nicht befahren, abgegraben, aufgefüllt, versiegelt oder überlagert werden. Ein einfaches Umwickeln des Stammes mit Brettern, Drainagerohren etc. ist ein unzureichender Baumschutz. Sollte die Erstellung eines Schutzzaunes nur eingeschränkt möglich sein, ist ein effektiver Überfahrschutz im Wurzelraum herzustellen. Im Fall einer beschädigten Wurzel sollten diese fachgerecht nachgeschnitten werden. Freigelegte Wurzeln sind durch geeigneten Wurzelschutz vor Austrocknung zu schützen und regelmäßig zu wässern. Alle Maßnahmen sind durch fachlich geschultes Personal (Treeworker, Fachagrarwirt Baumpflege) durchzuführen. Bei Beschädigung des Baumes ist der Wertverlust des Baumes nach Methode Koch zu ermitteln und gegebenenfalls die Verkehrssicherheit in Form einer Eingehenden Untersuchung der Baumstatik prüfen.

Beratung zum Baumschutz nach dem Bundesnaturschutzgesetz

Der Erhalt von Altbäumen ist aktiver Naturschutz. In Gebieten der freien Landschaft (vgl. §§22-27 BNatschG) und in Verbindung mit dem Baugesetzbuch können Bäume dazu nach dem Bundesschutzgesetz geschützt werden. Als Naturdenkmal können markante Einzelbäume, Alleen und Baumgruppen nach §28 BNatschG unter Schutz gestellt werden. Als Bestandteil geschützter Biotope und als Lebensraum für geschützte Arten können Bäume auch indirekt nach §44 BNatschG als Habitat geschützt sein. Das gilt insbesondere für Altbäume mit Asthöhlen und hohlen Stämmen. Durch das Bundesnaturschutzgesetz können Städte, Gemeinden oder Kreise weitere Verordnungen zum Baumschutz erlassen. Dadurch können Baumarten vor Zerstörung, Schädigung und Abholzung geschützt werden. Bei Missachtung des Baumschutzes und Zerstörung von Habitaten für geschützte Arten drohen z.T. hohe Bußgelder.

Verordnung zu Zeiten der Baumpflege

In der Zeit vom 1. März bis zum 30. September ist es nach dem Bundesnaturschutzgesetz (§39 BNatSchG) verboten, lebende Zäune, Hecken, Gebüsche oder Ähnliches abzuschneiden. Schonende Form- und Pflegeschnitte, die Zuwachs beseitigen, sind jedoch gestattet.

Weitere Regeln zur Baumpflege

Achten Sie neben gesetzlichen Vorschriften bei der Baumpflege auch stets auf untergesetzliche technische Normen, Regeln und Richtlinien.

RAS LP4 (Regeln für die Anlage von Straßen,
Hrsg. Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen / FGSV)

DIN 18920 (Schutz von Bäumen, ... bei Baumaßnahmen Hrsg. Deutsches Institut für Normung / DIN)

ZTV Baumpflege (Zusätzlich technische Vertragsbestimmungen bei Baumpflegearbeiten
Hrsg. Forschungsgesellschaft für Landschaftsentwicklung und Landschaftsbau / FLL)

Sollten diese Regeln nicht eingehalten werden, drohen Schadensersatzforderungen oder eine Wertminderung des Baumes.